Die Kunst der Wahrnehmung

Das Wilde hat keine Wörter.
Die ungeschriebenen Seiten breiten sich nach allen Richtungen aus!
Ich stieß auf Spuren von Rehhufen im Schnee.
Sprache, aber keine Wörter.

Thomas Tranströmer

Inhalt

Was Geschichten lebendig werden lässt

Ein paar zehntausend Jahre mögen vergangen sein, seit wir Menschen uns zum ersten Mal um eine Feuerstelle versammelt haben, um einer Geschichte zu lauschen. Wovon mag sie wohl gehandelt haben, diese erste Geschichte, die je erzählt wurde? In welcher Sprache wurde sie erzählt? War unser Sprechapparat damals überhaupt schon so weit ausgebildet wie heute? Eigentlich nahe liegende Fragen – doch die Kunst des freien mündlichen Erzählens ist so alt, dass wir sie nicht mehr bis zu ihren Ursprüngen zurückverfolgen können. Erzählt wurde und wird auf der ganzen Welt, zu allen Zeiten und in allen Kulturen.
Inzwischen sind wir längst schriftkundig. Wir können unsere Geschichten aufschreiben und so über Generationen bewahren und weitergeben. Wir bräuchten eigentlich gar nicht mehr zu erzählen – und tun es trotzdem. Warum?

„Es war einmal vor langer, langer Zeit…“, beginnt die Erzählerin ihre Geschichte. Und schon nach kurzer Zeit wird es stiller im Raum. Den Kinder in der ersten Reihe bleibt der Mund offen stehen, die Erwachsenen lassen ihre Smartphones sinken. Durch Sprache, Stimme, Gestik und Mimik entfaltet die Geschichte plötzlich ein zauberhaftes Eigenleben. Sie beginnt zu wachsen, wird größer als ihre Erzählerin und zieht die Anwesenden nun unwillkürlich immer tiefer in ihren Bann.

Es ist die Kraft der Imagination, die Geschichten so lebendig werden lässt, dass wir glauben, sie selbst erlebt zu haben. Imagination ist unsere Fähigkeit, während des Erzählens innerlich Sinneseindrücke wahrzunehmen, durch unsere Erzählung zum Ausdruck zu bringen und sie dadurch auch beim Gegenüber auszulösen.
Wenn wir uns auf den Weg machen wollen, diese Fähigkeit zu entwickeln, beginnt unsere Reise bei der Wahrnehmung. Denn natürlich können wir nur jene Sinneseindrücke innerlich wachrufen, die wir selbst bereits erfahren haben. Mit anderen Worten: Je ausgeprägter und nuancierter unsere Wahrnehmung, desto stärker ist die Kraft unserer Imagination und desto lebendiger und ausdrucksstärker werden wir erzählen lernen.

Im eigenen Saft schmoren

Unser wichtigstes Werkzeug beim Erzählen ist die Sprache. Das klingt banal, ist aber tatsächlich ein entscheidendes Detail: Was verstehen wir eigentlich unter Sprache?
Im Linguistischen Wörterbuch definiert Lewandowski: „Die natürliche Sprache ist eine typisch menschliche und zugleich gesellschaftliche Erscheinung; sie ist das primäre System von Zeichen, ein Werkzeug des Denkens und Handelns und das wichtigste Kommunikationsmittel.“
Der Duden beschreibt Sprache „als Möglichkeit des Menschen, sich auszudrücken.

Mit diesem rationalen Verständnis von Sprache will sich der Zauber der Geschichten aber nicht erschließen lassen, eher das Gegenteil ist der Fall. Immer wieder ist vom Menschen und seinen Fähigkeiten die Rede, was auch wenig erstaunlich ist. Schließlich versuchen Philosophen seit Aristoteles, möglichst überzeugend darzulegen, wie deutlich sich der Mensch von allen anderen Lebensformen abhebt. Wenn wir aber davon ausgehen, dass nichts und niemand uns das Wasser reichen kann, werden wir auch immer wieder auf die eigenen, menschengemachten Muster und Zeichen zurückgeworfen: Wir schmoren sozusagen in unserem eigenen Saft. Um ein tieferes Verständnis der Zusammenhänge zwischen Sprache, Imagination und Wahrnehmung zu entwickeln, sollten wir unser anthropozentrisches Weltbild verlassen.

Der Kulturanthropologe David Abram schreibt dazu: „Alle Versuche, verbindlich festzulegen, was Sprache ist, stoßen auf eine merkwürdige Begrenzung. […] Vielleicht ist es am besten, die Sprache undefiniert zu lassen, um so ihren offenen und geheimnisvollen Charakter anzuerkennen. Indem wir uns ihrem Geheimnis jedoch aufmerksam widmen, können wir uns dennoch bewusst mit ihr vertraut machen und ein Gespür dafür entwickeln, wie sie beschaffen ist, wie sie sich verhält und woraus sie sich speist. […] Nur indem wir die Sprache als rein abstraktes Phänomen auffassen, können wir sie als ausschließlich menschliches Phänomen beanspruchen. […] Als körperliches Phänomen entsteht Sprache aus allen zu Ausdruck befähigten Körpern, nicht nur aus menschlichen.“
Wenn wir dieser vielversprechenden Spur folgen, finden wir uns in der archaischen Welt nomadisierender Jäger- und Sammlervölker wieder.

Eine Welt, die spricht

Ethnologische Aufzeichnungen aus aller Welt berichten, dass Menschen aus oral-indigenen Stämmen die Bücher oder Notizen der Europäer als „sprechendes Blattwerk“ bezeichneten, als sie sahen, wie die Europäer daraus lasen. Zu denen, die ihr Geheimnis kannten, schienen die schwarzen Zeichen auf den flachen, blattartigen Seiten unmittelbar zu sprechen.

Das gibt bereits einen deutlichen Hinweis auf ein völlig anderes Weltbild. Abram beschreibt das so: „In oral-indigenen Kulturen hat die Natur Ausdrucksvermögen – sie spricht. Bis zu einem gewissen Grad nimmt die menschliche Stimme hier immer auch Anteil an den Stimmen der Wölfe, Winde und Wellen – sie nimmt teil am Diskurs der sie umgebenden belebten Erde. Kein Element der Erde entbehrt hier völlig der Fähigkeit, Resonanz zu erzeugen oder sich Ausdruck zu verleihen: Jede Bewegung kann eine Geste, jedes Geräusch eine Stimme, eine sinntragende Äußerung sein.“

Jenseits rationaler Gedankengänge eröffnet uns dieses Weltbild ganz andere Möglichkeiten, unsere Umgebung wahrzunehmen. Wenn wir nun zum Beispiel den Vogelstimmen lauschen, können wir dem Ornithologen Walther Streffer viel leichtfüßiger folgen: „In diesem spielerischen Element der Gesänge leuchtet etwas Freiheitliches auf. Die Singvögel vermitteln uns in ihren feinstrukturierten und melodiösen Liedern farbenprächtige Klangbilder ihrer Intelligenz“, schreibt er in seinem Buch „Die Magie der Vogelstimmen“. Wer wie Streffer detailliert erklären kann, wie man einzelne Rotkehlchen sozusagen „persönlich“ am Gesang erkennt, liefert ein gutes Beispiel dafür, in welche Dimensionen wir mit unserer Wahrnehmung vorstoßen können.
Doch Abram erinnert uns daran, dass es uns Schriftkundigen äußerst schwer fällt, „Erfahrungen zu machen, die auch nur annährend an die Lebendigkeit und Intensität heranreichen, mit der sich die umgebende Natur spontan den Mitgliedern oral-indigener Gemeinschaften darbietet.“

Eine solche Gemeinschaft sind zum Beispiel die Koyukon Indianer im nordwestlichen Alaska. Ihre Sprache ist stark von Lautmalerei und einer wechselseitigen Durchdringung menschlicher und nicht menschlicher Laute geprägt. Wer der Sprache der Koyokon lauscht, wird darin eindeutig verschiedene Stimmen dort heimischer Singvögel heraushören können. Und tatsächlich gibt es zum Ruf jeder Vogelart dann auch eine Geschichte aus der „Entfernten Zeit“ (Schöpfungsgeschichte), die das Zustandekommen des Rufs erzählt.
Die Koyukon leben in sehr enger Verbindung mit der Natur. Deshalb gehen sie nicht nur davon aus, dass der Mensch die Natur (z. B. Tiere, Pflanzen oder Steine) wahrnehmen und verstehen kann, sondern umgekehrt auch die Natur unsere menschliche Sprache wahrnimmt und versteht – und sich entsprechend äußert.

Vor diesem Hintergrund verstehen wir, dass zum Beispiel das „Lesen eines Omens“ kein Ausdruck von Aberglaube oder Irrationalität ist, sondern vielmehr die aufmerksame Beobachtung der natürlichen Umgebung eine ganz praktische, überlebenswichtige Bedeutung für orale indigene Jäger- und Sammlervölker hat.
Genauso verhält es sich auch mit den Geschichten. Ohne Schriftsystem gibt es kaum eine Möglichkeit, elementares Wissen zu bewahren, wie zum Beispiel

  • über Pflanzen (welche sind essbar oder giftig, welche Symptome rufen sie hervor bzw. mildern sie, wo findet man sie und wie bereitet man sie am besten zu)
  • über Tiere (welche Lebensweise haben sie, was fressen sie, wie spürt man sie am besten bei der Jagd auf)
  • über die Landschaft (wie und woran kann man sich orientieren, welche Orte sind gefährlich, wo gibt es Trinkwasser, Feuerholz oder gute Lagerplätze).

Während wir uns die Charakteristika einer Pflanze vielleicht eher mit Hilfe einer solchen Stichwortliste einprägen würden, wäre eine solche Liste in einer mündlichen Kultur völlig wertlos. „Ohne ein visuelles Gegenstück, das leicht ins Gedächtnis gerufen und im Geist überflogen werden kann, lassen sich gesprochene Listen nicht ohne weiteres verinnerlichen und wiedergeben. Ohne die Schrift lässt sich das Wissen über die unterschiedlichen Eigenschaften verschiedenster Tier- und Pflanzenarten oder Landschaftsformen nur bewahren, indem es in Geschichten eingewoben wird – in lebensnotwendige Erzählungen, in denen die spezifischen Charakteristika einer Pflanze durch narrative Ereignis- und Interaktionsketten deutlich werden“, beschreibt Abram und erläutert, dass zum Beispiel diese Pflanze in einer Geschichte zu einem vollständig belebten Charakter werden kann.
„In diesem Licht betrachtet, kann das, was wir Schriftkundigen als naiven Versuch kausaler Erklärungen missdeuten, auch als hochentwickelte Erinnerungstechnik erscheinen, mit der ein bestimmtes Wissen gespeichert und von Generation zu Generation weitergegeben werden kann.“

In diesem Weltbild nutzen wir Menschen unser Bewusstsein also nicht, um uns von „der Natur“ oder „der Welt“ abzugrenzen, sondern um uns mit ihr zu verbinden und zu vernetzen. Heute vernetzen wir uns zwar auch, aber erstens nur untereinander (also zwischen Menschen) und zweitens zunehmend digitaler. Digitalisierung und Mobilität bewirken wiederum, dass physische Orte an Bedeutung verlieren.
Das ist in oralen indigenen Kulturen nicht der Fall: Orte spielen in diesem Weltbild eine sehr wichtige Rolle und tragen in vielerlei Hinsicht Bedeutung: Zum einen müssen sich die Geschichten ja irgendwo ereignet haben – wir werden also in den Erzählungen dieser Kulturen niemals auf Geschichten ohne (reale) Orte stoßen. Zum anderen beeinflussen die Geschichten wiederum unsere Wahrnehmung eben dieser Orte: Wenn wir mit einer bestimmten Landmarke eine Geschichte verknüpfen, werden wir uns immer beim Passieren dieser Landmarke unwillkürlich an die Geschichte erinnern. Die ‚Agodzaahi-Erzählungen der Westlichen Apachen drücken zum Beispiel eine enge Verbindung zwischen moralischem Verhalten und der Landschaft aus.

„Es gibt jedoch noch einen weiteren Grund für die tiefe Verbundenheit zwischen dem Geschichtenerzählen und dem mehr-als-menschlichen Terrain. Es hat mit der umfangenen, einbettenden Ganzheit einer Geschichte im Verhältnis zu den in ihr handelnden und wandelnden Figuren zu tun. Ähnlich wie Protagonisten in eine Geschichte eingebettet sind, so sind auch wir in die Landschaft eingebettet. Anders ausgedrückt sind wir auf ganz ähnliche Art und Weise im Land verortet, wie die Charaktere einer Geschichte in dieser verortet sind.
Die Angehörigen einer zutiefst mündlich geprägten Kultur erfahren diese Beziehung wohl nicht als bloße Analogie: Gemeinsam mit den anderen Tieren, den Steinen, Bäumen und Wolken sind wir selbst Charaktere in einer gewaltigen Erzählung, die sich allenthalben vor unseren Augen entfaltet, haben wir Anteil an dem gewaltigen Prozess, in dem die Welt imaginiert oder erträumt wird“, schreibt Abram in seinem Buch „Im Bann der sinnlichen Natur“, und bezieht sich damit zum Beispiel auf die „Traumzeit“-Erzählungen der australischen Aborigines.

Für die Entwicklung unserer Wahrnehmung bietet das vermeintlich archaische Weltbild der Jäger- und Sammlervölker also drei ganz wesentliche Fokuspunkte:

  1. Die Wechselseitigkeit („Reziprozität“) der Wahrnehmung
  2. Die Überlagerung oder Vereinigung verschiedener Sinneseindrücke (Synästhesie)
  3. Das Verständnis von Orten als Bedeutungsträger.

Wahrnehmung und Ausdruck

In einem Interview mit der Zeitschrift Oya (Ausgabe 46, 2016) bringt es der Journalist und Autor Geseko von Lüpke mit brillanter Klarheit auf den Punkt:
„Bei den Khoisan in der Kalahari-Wüste sind die Geschichtenerzähler auch die guten Spurenleser. Wenn sie in der Gemeinschaft von den Erlebnissen des Tags berichten, achten die Ältesten genau darauf, wie sehr ein Erzähler seine Sinne geöffnet hatte bei dem, was er erfahren hat, und wie gut er diese Eindrücke wiedergeben kann. Fehlt ihnen etwas, fragen sie nach. Erst wenn jemand ganz tief in allen Dimensionen wahrzunehmen gelernt hat, ist die Person in der Lage, so zu erzählen, dass die Zuhörenden die Geschichte erfahren, als wären sie selbst dabei gewesen. Gut Erzähltes nimmt unser Gehirn genauso auf wie selbst Erlebtes. […]
Vor lauter Konsum gibt es tatsächlich kaum mehr etwas zu erzählen. Umgekehrt gilt: Je mehr wir wahrnehmen, umso intensiver sind wir lebendig, umso verbundener sind wir, und umso mehr können wir Geschichten so vermitteln, dass uns zugehört wird. Wir brauchen ein wenig Mut, etwas selbst Erlebtes in allen Farben mündlich wiederzugeben.“

Wenn wir Erzählen wirklich lernen wollen, sollten wir uns immer auch mit der Kunst der Wahrnehmung vertraut machen und sie ständig weiterentwickeln. Die Intensität und Ausdrucksstärke unserer Erzählungen ist abhängig von der Kraft unserer Imagination – und diese wird wesentlich geprägt durch die Qualität unserer Wahrnehmung. Nirgendwo sonst aber werden unsere Sinnesorgane mit einer solchen Vielzahl nuancierter Eindrücke stimuliert wie „draußen“ in der Natur. Dort sind fast alle Eindrücke von einer archaischen Kraft und Authentizität, fast nichts ist von Menschen gemacht. Wenn wir ausdrucksstark erzählen wollen, werden die knisternde Wärme eines Lagerfeuers, die tief stehenden Strahlen der Abendsonne oder das dumpfe nächtliche Rauschen der Gebirgsbäche niemals nur romantische Kulisse sein. Das nomadische Unterwegssein in der Natur, das Durchstreifen und Entdecken der äußeren Wildnis spiegelt und stützt in einzigartiger Weise die Entdeckungsreise zu den Potenzialen unsere wilden Innenwelt.

Neben diesem offensichtlichen Vorteil sollten wir während des Lernprozesses unser Zuhause noch aus einem anderen Grund nach draußen verlagern: Die aktive Auseinandersetzung mit unserer unmittelbaren natürlichen Umgebung entwickelt auf sehr subtile Weise unser Verständnis von Verbundenheit. Nach Abrams Beobachtung sind wir Menschen auf ähnliche Weise in der Landschaft verortet wie die Charaktere in unseren Geschichten. Dieser Zusammenhang hat großen Einfluss auf die Kraft unserer Imagination und nährt den Respekt und die Demut gegenüber der Weisheit der Geschichten, die wir erzählen. So lernen wir gleichzeitig eine Haltung, die uns ein Loslassen ermöglicht: Beim Erzählen können und müssen wir Geschichten nicht beherrschen, sondern sind vielmehr ein Resonanzkörper, durch den die Geschichte anderen Menschen zugänglich wird. So ermöglichen wir mit zunehmender Übung und Meisterschaft der Geschichte, über uns als Erzählende hinaus zu wachsen und jene zauberhafte Kraft zu entfalten, die uns Menschen über die Jahrtausende hinweg begleitet und genährt hat.

Zurück oder vorwärts

Auch der schönste Streifzug findet einmal ein Ende: Die Welt, in der wir heute leben, sieht anders aus.
„Wie soll eine Kulturstufe, die offenbar schon zu Beginn der Menschwerdung entstanden ist, uns für die komplexen Fragen der Gegenwart irgendwelche Antworten geben können? Wie sollen Erkenntnisse, die in isolierten Jäger- und Sammlerkulturen geboren wurden, der globalisierten Welt weiterhelfen, in der wir nicht mehr mit Faustkeil, Pfeil und Bogen hantieren, sondern mit Atomtechnologie, Mikrochips und Handys?“, fragt der Autor Geseko von Lüpke. Er bezieht sich in seinen weiteren Ausführungen auf das Entwicklungsmodell „Spiral Dynamics“ von Clare W. Graves:

„Eine kreisförmig-spiralige Dynamik der Evolution schließt einerseits Fortschritt nicht aus, macht aber andererseits deutlich, dass wir an jedem Punkt unserer Entwicklung immer wieder mit alten Herausforderungen und Erkenntnissen konfrontiert werden, nur eben auf einer höheren Drehung der nach oben offenen Spirale der Evolution. Das heißt nicht weniger, als dass wir in unserer heutigen Entwicklung immer auch auf Einsichten früherer Wachstumskurven zurückgreifen können, ohne dabei gleichzeitig in sie „zurückzufallen“.
Dieses Bild einer dynamischen Entwicklungsspirale, in der jede neue Drehung mit den Kurven darunter verbunden ist, muss auch für die Evolution angewandt werden, die uns kulturell vom Schamanismus über viele Zwischenstufen bis in die heutige industrielle Wachstumsgesellschaft und geistig vom archaischen Bewusstsein über das mythologische und magische bis ins heutige rationale Bewusstsein geführt hat. Zu ihrer Zeit mag die Stammeskultur der Jäger und Sammler und ihre mythologische Bewusstseinsstufe genauso alternativlos erschienen sein, wie heute vielen die technologisch-industrielle Welt mit ihrer rationalen Bewusstseinsstufe erscheint. Jedes Entwicklungszeitalter scheint wie gefangen zu sein in dem Paradigma der eigenen Zeit und kann sich nicht vorstellen, wie der nächste Schritt aussieht. Aber es kann aus Entwicklungsschritten lernen, die vorher schon gemacht wurden.“

In Zeiten von Globalisierung, Digitalisierung, Flüchtlingskrise und Klimawandel noch von Wettbewerbsdruck oder Marktvorteilen zu sprechen klingt jedenfalls verdächtig nach „gefangen sein“. Die Herausforderungen unserer Zeit liegen längst nicht mehr in der Fähigkeit zur Konkurrenz, sondern in der Fähigkeit zur Kooperation. Diese wieder zu erlernen fällt uns offensichtlich nicht leicht, und genau dabei ist uns die Erzählkunst eine große Hilfe. Das Erzählen von Geschichten verbindet uns mit unseren Wurzeln und gibt uns den Raum, positive, lebenswerte Zukunftsbilder zu entwerfen. Zukunftsbilder, die unsere Träume ansprechen, unsere visionäre Kraft entfalten können und letztlich Veränderung ermöglichen. In einer Zeit äußerer und innerer Krisen und Umbrüche in unserer Gesellschaft sind wenige Fähigkeiten so sehnsüchtig gefragt wie diese.

Vertiefung 

  • Paul Watzlawick: Die erfundene Wirklichkeit (Piper Verlag, 2015)
  • David Abram: Im Bann der sinnlichen Natur (Verlag thinkOya, 2015)
  • Walther Streffer: Magie der Vogelstimmen (Verlag Freies Geistesleben, 2003)
  • D. E. Beck / C. C. Cowan: Spiral Dynamics (Blackwell Publishing, 2008)
  • Geseko von Lüpke: Altes Wissen für eine neue Zeit (Kösel Verlag, 2012)

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