Couscous ist sakral

Nomadengeschichten am Feuer
Sonntag, 04.07.21 im Kaiserstuhl

Naceur Charles Aceval

Märchen haben für Naceur Charles Aceval eine ganz besondere Bedeutung:
Mit Erzählungen während des Algerienkrieges hatte seine Mutter Abend für Abend Märchen erzählt, damit ihre Kinder Hunger, Angst und Traurigkeit eine Zeitlang vergessen konnten.

Als Kinder einer algerischen Nomadin und eines baskischstämmigen Siedlers hatten er und seine Geschwister es nicht leicht, zumal der Vater starb, als Naceur Charles acht Jahre alt war. Krieg, Vorurteile gegenüber der ungewöhnlichen Familie und bittere Armut beherrschten den Alltag.

Das Märchenerzählen seiner Mutter hat er „als Geste der Liebe“ erlebt und teilt seinen reichen Schatz an Geschichten heute mit vielen Zuhörern. Doch nicht nur die Märchen möchte Naceur Charles Aceval teilen, sondern auch Couscous, das Nationalgericht aus dem Maghreb, seiner südwestalgerischen Heimat.

„Couscous ist für die Nomaden etwas Sakrales“, erklärt er. Es wird bei Hochzeiten oder Trauerfeiern gereicht und auch als Opfergabe. Das Grundrezept des Nomadencouscous mit Lammfleisch und viel Gemüse kommt vom Stamm seiner Mutter.

über Charles

Geboren wurde ich in den 1950er-Jahren in den algerischen Hochebenen, an der Schnittstelle des Nordens und Südens, wo die Nomadenstämme im Frühjahr ihre Zelte aufschlagen und sich die städtische Kultur der Sesshaften mit den Traditionen der Beduinen vermischt.
Meine Mutter war eine Tochter aus dem Stamm der Ouled Sidi Khaled, einem in der ganzen Region bekannten Nomadenstamm. Sidi Khaled ist noch heute der Schutzpatron jener Gegend und sein Grab wird von Pilgern besucht, die den großen Heiligen, meinen Urahn, um Schutz und Hilfe ersuchen.
Nach der Heirat meiner Mutter mit einem baskischstämmigen Siedler, meinem Vater, änderte sich ihr Leben und das ihrer Familie grundlegend.
Die Familie schlug ihre „chaima„, ihr Nomadenzelt, neben der Farm meines Vaters auf und so wuchsen meine Geschwister und ich in beiden Welten zugleich auf: in den Traditionen und Überlieferungen der maghrebinischen Nomaden und in der organisierten Welt der französischen Kolonialisten.
Meine Kindheit war eine Welt der Märchen und der Magie, ich lebte mit den Geschichten meines Stammes, wie ich sie von meiner Großmutter und Mutter erzählt bekam, in einer Welt, in der das Wunderbare bereits hinter dem nächsten Hügel wohnte und die Welt der menschenfressenden Oger und sprechenden Tiere nie weit weg von der Welt der Menschen schien.

Menschen, Völker, die das Brot teilen,
führen normalerweise keine Kriege.
Menschen, Völker, die das Wort teilen,
führen ebenfalls keine Kriege.

Hinweise zur Veranstaltung

  • Wir verweisen auf die zum Zeitpunkt der Veranstaltung gültigen Corona-Regeln im Open Air Bereich
  • Bitte bring dein eigenes Essgeschirr mit (Schale, Tasse, Besteck)
  • Wir sitzen auf dem Boden. Wenn du dir nicht sicher bist, ob das dein Rücken oder deine Knie mitmachen, nimm dir einen kleinen Campingstuhl mit
  • Die Zutaten für das Couscous sind (soweit möglich) regional und in Bio- bzw. Demeter-Qualität.
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten können wir leider nicht berücksichtigen
  • Achtung:
    „Normalpreis“ = Couscous mit Fleisch (Lamm, Hähnchen und Merguez)
    „Studenten“ = Couscous vegan

    Du merkst schon: unser Ticketshop ist nicht so flexibel 😉
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