Social Media - Einstieg

Die Nutzung sozialer Medien ermöglicht uns als Erzählkunstschule, mit Interessierten in Verbindung zu bleiben und unsere Arbeit zu zeigen. Gleichzeitig wissen wir auch, dass diese Netzwerke erhebliche Schattenseiten haben und letztlich für unsere Arbeit kein geeignetes Umfeld bieten. Aus diesem Grund arbeiten wir daran, bis zum Ende des Jahres unser Engagement von Facebook, Instagram und YouTube auf freie, demokratisch kontrollierte Netzwerke zu verlagern. Unter dem Stichwort „Soziale Medien“ informieren wir ab sofort regelmäßig über Stolpersteine und Fortschritte in diesem Prozess.

Um es einmal in aller Deutlichkeit gesagt zu haben:
Wir halten es nicht für sinnvoll, die Produkte und Dienstleistungen machtgieriger Milliardäre in Anspruch zu nehmen, die sich darauf spezialisiert haben, gesellschaftliche Spannungen mit Hilfe künstlich verstärkter Hassnachrichten zu verschärfen, und zwar aus folgenden Gründen:

  • Erstens vertreten wir genau die entgegengesetzten Werte: Durch unsere Arbeit prägen wir das Selbstverständnis von Erzähler*innen Brücken zu bauen und Menschen miteinander und mit ihrem natürlichen Umfeld zu verbinden.

  • Zweitens ist es technisch gar nicht notwendig, die großen zentralisierten Lösungen zu nutzen, weil es längst andere Möglichkeiten gibt, die dezentral aufgebaut, demokratisch kontrolliert und kostenlos sind.

  • Drittens sind Social Media einfach zusätzliche Kommunikationskanäle, deren Pflege unter den gegebenen Umständen übertrieben mühsam ist, da wir uns gegen technisch verstärkte Hassnachrichten und bezahlte Werbung nicht durchsetzen können.

In Summe sind Plattformen wie Facebook, Instagram, YouTube oder TikTok also eine Umgebung, die unserer Arbeit tatsächlich wenig förderlich ist.

Die oft gehörten Gegenargumente klingen so: Auf diesen Plattformen sind sehr viele Leute und deshalb hast du dort gute Chancen, mit deiner Arbeit und deinen Anliegen wahrgenommen zu werden. Du kannst dir eine Reichweite aufbauen

  • indem dein Content interessant ist und deshalb von anderen geteilt wird und
  • indem du bezahlte Werbung schaltest, so dass auch Leuten deine Inhalte gezeigt werden, die gar nicht danach gesucht haben (in der Hoffnung, dass es sie begeistert).

Diese Argumente sind zwar richtig, bilden aber nicht die ganze Wahrheit ab: Wenn ich interessante Infos rausgebe, werden sie von anderen Leuten zwar geteilt. Das funktioniert aber nicht nur mit Social Media, sondern grundsätzlich mit allen Kanälen. Das Gleiche gilt für bezahlte Werbung.

Außerdem ist es zwar richtig, dass man (theoretisch) ziemlich viele Leute über Social Media Plattformen erreichen kann – allerdings gibt es inzwischen auch ziemlich viele Plattformen. Wenn du nun verschiedene Zielgruppen mit verschiedenen Medien auf unterschiedlichen Plattformen ansprechen willst, hast du ganz schön viel zu tun. Einen „Schnell-und-einfach-Leute-erreichen-Effekt“ hat das jedenfalls nicht.

Doch mit genau dieser Hoffnung spielen die großen Social Media Plattformen natürlich:
„Irgendwie gehen meine Angebote in der Informationsflut unter. Ich werde kaum wahrgenommen. Heutzutage sind nun mal alle auf Social Media, also muss ich da auch hin. Und xy hat gesagt, seit sie ihre Angebote auf Facebook stellt, gibt es viel mehr Nachfrage.“
Nach annähernd 6 Jahren Arbeit mit Social Media können wir nicht bestätigen, dass diese Kanäle leistungsfähiger wären als andere. Jeder Kommunikationskanal hat seine Eigenheiten und braucht Zeit, bis er richtig funktioniert.

Mit unserer Erzählkunstschule haben wir sicherlich eine Nische geschaffen, die (noch) nicht besonders groß ist. An unseren Kursen nehmen aber Menschen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum teil, von Brandenburg bis Graubünden, von Schleswig-Holstein bis Südtirol. Das finden wir auch gut so. Und das müssen wir auch bei der Wahl unserer Kommunikationskanäle bedenken. Beispielsweise macht es in unserem Fall wenig Sinn, uns um eine häufige Präsenz in der lokalen Presse zu bemühen. Eine gut ausgebaute und sorgfältig gepflegte digitale Präsenz ist deutlich wichtiger.

Social Media Plattformen wären also eigentlich gut geeignete Kanäle, unsere Arbeit nach außen zu tragen – wenn sie nicht so ausgestaltet wären, dass sie uns ganz grundsätzlich eher behindern als unterstützen. Das führt uns zu der Frage: Gibt’s das Gleiche auch in fair?
Die bittere Antwort lautet: Ja – aber die wenigsten machen mit. Die allermeisten Leute bleiben aus Unwissenheit oder Bequemlichkeit auf den bekannten großen Plattformen.

Für uns ist allerdings klar: Wenn wir die Werte ernst nehmen, auf denen unsere Arbeit basiert, dann haben wir auf den gängigen Social Media Plattformen wie Facebook, YouTube, Instagram, TikTok oder X nichts zu suchen.
Mit dem Projekt „Social Media“ begeben wir uns also auf eine digitale Spurensuche. Das ist tatsächlich gar nicht so schwierig, denn es gibt digitale Fährtenleser wie digitalcourage, die ihre Arbeit mit der gleichen Leidenschaft tun wie wir die unsere.

Und deshalb verweise ich zum Abschluss unserer ersten vorsichtigen Schritte auf zwei sehr gute Artikel in den weiterführenden Infos.

Durch angewandte Erzählkunst unterstützen wir Menschen, in ihren Umfeldern Verbundenheit und Kreativität wachzurufen. Wir sammeln und erzählen Geschichten aus verschiedensten Kulturen, die auf na­chhaltigen Denk- und Lebensweisen basieren und suchen je eigene, der lo­kalen Kultur angemessene Wege, die wechselseitigen Beziehungen zwischen Menschen, Orten und Narrativen zu gestalten.

Weiterführende Infos

  • Fediverse
    Diskurse in den sozialen Medien, die gemeinsam gestaltet werden, dezentral und demokratisch sind? Das funktioniert – und zwar im Fediverse!

  • Fediverse, das wirklich soziale Medium
    Gemeinsam, dezentral und demokratisch – so wünschen wir uns den Diskurs in sozialen Medien.